Wie geht das denn mit der Winterruhe?
Während ich diesen Artikel schreibe ist es Ende September. Es bleibt also noch ein bisschen Zeit bis es unsere lieben Tiere in die Winterruhe zieht. Dementsprechend gibt es dieses mal von mir nur Text und keine Bilder, da ich zu meiner Schande gestehen muss, das ich absolut nie Bilder von der Überwinterung meiner Tiere gemacht habe. Aber auf Wunsch, hier ein kleiner Artikel von mir zu diesem Thema:
Die Frage nach der Winterruhe und ihrer Durchführung kommt irgendwie jedes Jahr aufs neue auf und ist für die Neulinge in der Thamnophis-Haltung sicher genau so interessant, wie für die Erfahrenen Halter, denn ich habe festgestellt, das es da auch Unterschiede und Erfahrungen gibt, wie man das nun am besten handhabt.
Angefangen mit:
Bodengrund
der Größe der Boxen und was für Boxen?
Wasserschalen, Schwämme,Verstecke
Einzeln oder in Gruppen?
Länge und Temperatur
Wie leite ich die Winterruhe ein?
wie wecke ich die Tiere wieder?
Kühlschrank oder Keller?
Jeder, der die Tiere schon länger hält hat seine Art und Weise, wie es sich bei ihm oder ihr bewährt hat. Grundlegend wird es bei jedem ähnlich sein und doch unterscheiden sich die Herangehensweisen. Hier bekommt ihr meine zu lesen.
Wie geht das nun mit der Winterruhe?
In der Regel warte ich darauf, das die Tiere selbstständig aufhören zu fressen aber spätestens Anfang November lasse ich Kotproben untersuchen.
Sind die Tiere gesund steht einer Winterruhe nichts mehr im Wege und das füttern wird komplett eingestellt. Über 2 Wochen verkürze ich die Beleuchtungszeiten und senke so die Temperaturen in den Terrarien bis Wärme und Licht komplett aus bleiben. Diese Zeit brauchen die Tiere auch um ihren Darm komplett zu entleeren. Das ist wichtig, da es sonst zu Fäulniserscheinungen bzw. Vermehrungen kälteliebender Bakterien im Darm der Schlange kommen kann.
Nebenbei mache ich meine Überwinterungsboxen fertig. Für mich haben sich die Ikea-Boxen bewährt. Sie sind stabil und mit den zusätzlichen Klemmen auch wirklich geschlossen.
Von diesen habe ich mehrere in mehreren Größen zu Hause. Ich nutzte diese auch im Frühjahr und Sommer zum Füttern meiner Jungtiere.
In diese Boxen bohre ich vorsichtig mit einem dünnen Bohrer Luftlöcher in die schmalen Seiten.
Für die Winterruhe fülle ich die Boxen großzügig mit Erde, stelle eine Wasserschale und ein Versteck mit hinein. Die Erde sollte nicht zu Feucht sein, sonst habt ihr Schimmelgefahr.
Sind die Terrarien alle aus, kommen die Tiere in die vorbereiteten Boxen und in diesen in meine Abstellkammer auf dem Balkon. Dort habe ich um diese Jahreszeit ca 10 Grad. Dort verbleiben die Tiere für 2 bis 3 Tage damit sie sich weiter langsam runter kühlen können.
Erst dann gehen die Tiere samt Boxen in meinem Kühlschrank der ca 6 Grad kalt ist und verbleiben dort circa 8 Wochen. Die Temperaturen dürfen etwas schwanken, für mich hat sich herauskristallisiert das ich mit 5-8 Grad am besten fahre. Jedoch darf diese bei keiner Art über 10 Grad liegen, da die Schlangen sonst ruhiger sind, jedoch nicht in eine wirkliche Winterruhe verfallen und das wäre mehr anstrengend als erholsam für das Tier.
In dieser Zeit kontrolliere ich etwa einmal die Woche ob es den Tieren gut geht und ob sie noch Wasser haben, denn wirklich schlafen werden die Tiere nicht. Sie ruhen. Bewegen sich aber auch und trinken.
Vor allem legen sich viele sehr gern direkt in die Wasserschale und bleiben da auch tagelang drin liegen.
Es reicht auch, wenn man wirklich nur einmal die Woche kontrolliert, denn die Tiere sollen ruhen, jedes mal wenn ihr daran geht, nervt ihr sie.
Nach dieser Zeit werden sie in umgedrehter Reihenfolge auch wieder „geweckt“. Es gibt auch die Variante, das man sich beim wecken nicht so viel Zeit lässt, auch das funktioniert sehr gut, ich habe beides schon versucht. Was ihr jedoch lieber vermeiden solltet ist sie vom Kühlschrank direkt ins voll beheizte Terrarium zu setzen.
Ab wann überwintere ich meine Tiere?
Auch bei der Frage scheiden sich die Geister. In der Regel überwintere ich erst im 2. Jahr, es sei denn die Tiere stellen selbstständig das Fressen ein.
Es gibt aber auch genug alteingesessene Halter die ihre Tiere direkt im ersten Jahr überwintern. Das ich erst im zweiten Jahr anfange liegt an meiner Übervorsichtigkeit.
Und was ist eine kurze Winterruhe?
Eine kurze Winterruhe ist im Grunde das gleiche, nur die Zeit im Kühlschrank ist kürzer. Bei einer kurzen Winterruhe verbleiben die Tiere bei mir etwa 4 Wochen im Kühlschrank.
Und was ist eine warme Winterruhe?
Eine warme Winterruhe ist das überwintern bei wärmeren Temperaturen wo dann auf den Kühlschrank verzichtet wird. Dabei sollte aber, wie oben schon erwähnt, die Temperatur nicht über 10 Grad steigen.
Warum soll ich überhaupt eine Winterruhe machen? Ist das Notwendig?
Jain. Es gibt Halter die ihre Tiere nicht überwintern. Aber für das Tier ist es eine Art „Reset“ eine Erholungspause. Und wenn man in die Zucht geht, ist die Paarungsbereitschaft nach der Winterruhe höher so wie die Chance, das die Weibchen auch trächtig werden. Es ist auch einfach das natürliche Verhalten der Tiere und ich sehe dadurch nur Vorteile.
Ist eine Winterruhe gefährlich?
Eigentlich nicht. Zumal man vorher ja eine Kotprobe macht und die Gesundheit der Tiere prüft. Natürlich kann es trotzdem zu Ausfällen in der Winterruhe kommen. Wie oben schon beschrieben können nicht ausgeschiedener Kot zum Problem werden. Aber auch wenn man beispielsweise etwas bei der Kotprobe nicht entdeckt wurde.
Für ein gesundes, fittes Tier ist eine Winterruhe aber eher regenerativ als schädlich.
Zusatz – Winterruhe für nichtfressende Jungtiere
Einen Ansatz, den ich selbst noch nicht ausprobiert habe, von dessen Erfolgen ich aber von einigen befreundeten Halter gehört habe ist es, Jungtiere, welche absolut nicht ans Futter gehen wollen, in eine kurze Winterruhe zu schicken. Das ist dann so der letzte Ansatz, den man versucht. In einigen Fällen fangen die Tiere nach dem auffwachen dann doch das Fressen an. Es birgt aber auch die Gefahr das Jungtier in der Winterruhe zu verlieren. Meiner Meinung nach ist das so der letzte „Hop oder Top“ Ansatz. Entweder kommt das Tier dann durch, oder es wäre über kurz oder lang eh verstorben, denn ohne Nahrung kann man nicht ewig leben.
Jennifer Rejchel
Reschop 14
45525 Hattingen
