Haltung, die Basics

Jedes Jahr aufs Neue – die Basics

Der Winter kommt langsam zum Ende, die ersten Sonnenstrahlen locken und pünktlich, wie jedes Jahr um diese Zeit, kommen vermehrt die Fragen auf, das jemand neu mit dem Hobby beginnen will und nach Tipps, Ticks und Basics fragt.

Dieses Jahr möchte ich das ganze mal zusammen fassen:

Das richtige Terrarium

Diese Frage ist nicht pauschal zu beantworten, da sich diese Frage danach richtet, welche und wie viele Tiere darin gehalten werden sollen.
Grob kann man sagen das man bei Männchen von 1-2 Tieren nicht unter 100x50x50 planen sollte.
Bei den Weibchen nicht unter 120x60x60

Hier sei noch gesagt, das Thamnophis zwar klettern können, aber das nicht sehr gut tun. Alle Terrarien, die höher als 60 cm sind sollten also so gestaltet werden, das die Tiere nicht abstürzen und sich verletzen können.

Das gilt jedoch nicht für Jungtiere.
Babys, die abgabebereit sind, sind meist nicht viel größer als vielleicht 20 cm. In einem Terrarium was für adulte Tiere gedacht ist gehen diese einfach unter. Das Futter zu finden ist viel schwerer und das beobachten des Verhaltens ist auch nicht einfacher.
Jungtiere halte ich in 30iger oder 40iger Würfel und lasse diese erst einmal wachsen.
Optimal ist es, wenn das Terrarium mit den Tieren mit wachsen kann.

Jens Knippel hat beispielsweise ein Forex-Terrarium, was er mittig teilen kann, so das er mit der wachsenden Größe der Tiere mehr Platz zur Verfügung stellen kann.

Aktuell habe ich 2.0 einjährige Thamnophis sirtalis sirtalis die eher langsam wachsen in einem Terrarium von 40x30x30. So langsam können sie in ein größeres Terrarium umziehen.

Eine andere Gruppe von 1.2 Thamnophis sirtalis sirtalis Quebec Flame von letztem Jahr  lebt noch in einem 80x50x50 Terrarium. Die drei sind besser gewachsen und können bald in ein 100x50x50 Terrarium umziehen.

Es ist also nicht pauschal möglich zu sagen, wann die Tiere welche Terrariumgröße brauchen, da es stark vom Fressverhalten und vom Wachstum der Jungtiere abhängig ist.

Jungtierterrarien / Quarantäneterrarien
Eine Fenster Dichtung verhindert ein Durchkommen durch den Scheibenspalt

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Glas, Holz oder Forex?

Das ist auch eine Frage, die eher nicht pauschal zu beantworten ist.

Holz hat den Vorteil, das es die Wärme besser hält. Glas ist besser zu reinigen, gerade, wenn man sich doch mal eine Krankheit eingefangen hat.

Bei Forex habe ich bisher keine eigenen Erfahrungen machen können, daher lasse ich das erst einmal außen vor.

So ist es wohl ein wenig Geschmacks und Geldsache, was man haben möchte. Jedoch würde ich für die Quarantäne immer ein Glasterrarium empfehlen.

Hier sei noch gesagt, das man, egal für welches Material man sich entscheidet, man auf die Lüftung achten sollte. Im Terrarium sollte ein Kamineffekt gegeben sein. Gerade bei den kleinen Würfeln sollte man genauer schauen, ob die Durchlüftung gegeben ist.

Hier ein kleiner Tipp: Exoterra Terrarien haben eine tolle Durchlüftung, doch  müssen diese an den hinteren  Plastiklöchern nach gearbeitet werden. Sie sehen sehr klein aus, aber durch diese Löcher ist mir schon ein einjähriges Tier entkommen.

Auch bei Terrarien mit Schiebescheiben ist Vorsicht geboten. Thamnophis sind Ausbruchskünstler. Ist der Spalt zu breit, können sie dadurch entkommen.
Es gibt einige Hersteller von Holzerrarien, deren Scheibenführung in das Holz gefräst ist. Diese sind in der Regel zu breit für Thamnophis und es sind bei mehreren, mir bekannten Personen auch schon adulte Tiere durch diese Schlitze entkommen.

Ein genauer Blick und eventuelles nacharbeiten sind also notwendig.

 

Die Technik

Alle meine Terrarien sind mit einer Tageslichtröhre und einem Wärmespot ausgestattet.
In meinem Holzerrarien reicht mir da ein 25 W Wärmespot um die richtigen Temperaturen zu erhalten.

UV Licht kann, muss aber nicht. Jedoch sind die tagaktiven Nattern dankbar drum. Auch hier wurde von mehreren langjährigen Haltern beobachtet, das die Tiere das UV Licht gezielt aufsuchen, auch wenn es nicht in der gleichen Ecke des Terrariums angebracht ist, wie die Wärmelampe.
Hier ist aber darauf zu achten, das die großen Lampen, die man aus der Tropen-und Wüstenterraristik kennt und mit einem Vorschaltgerät betrieben werden müssen, zu stark für unsere Nattern sind. Diese strahlen auch Wärme ab und damit würden wir unsere Tiere einfach grillen.
Die Neonröhren und Die Birnen die wie Sparbirnen geformt sind, haben aber eine recht geringe Abstrahlung. Also musst man darauf achten, wie und wo man UV Licht anbringt, damit die Tiere davon auch was haben.
Übrigens dringt die UV Strahlung nicht durch das Terrarienglas. Es bringt also nichts, diese auf ein Terrarium drauf zu legen.

Bei den Jungierterrarien ist es etwas schwieriger, da die Terrarien so klein sind, das man da kaum Technik drin verbauen kann.
Ich behelfe mir da mit Halogen-Schreibtischlampen, die ich dann im richtigen Abstand zum Terrarium aufstellen kann.

Schutzkörbe nutze ich bei Thamnophis nicht.
Ich habe schon mehrere Varianten, inklusive Selbst- und Umbauten ausprobiert und hatte über kurz oder lang immer eine Schlange im Korb. Ausnahme sind hier die adulten Mädels, dafür sind die dann doch zu groß.
Aber ich hatte mehr fast-Unfälle mit Schutzkörben und über die Jahre keinen einzigen ohne Schutzkörbe bei den Thamnophis.
Bei meinen Lampropeltis pyromelana war das übrigens anders.

 

Schreibtischlampen zum Beheizen
Die Alternative

 

 

 

 

 

 

 

Einrichtung

Was gehört in ein Strumpfbandnatternterrarium?

Eine Wasserschale, die so groß ist, das die Tiere darin Baden können. Hier gehen die Meinungen etwas auseinander. Es gibt Halter, die Aquarien in ihre Terrarien gebaut haben und einige Tiere, die diese Möglichkeit zum schwimmen gerne annehmen. Da muss jedoch die richtige Filtertechnik hinter stecken, da die Nattern sich gern im Wasser lösen und man so schnell kein schönes Aquarium sondern eine Bakterien und Keimschleuder im Terrarium hat.
Auch sollte darauf geachtet werden, das durch die Wassermassen die Luftfeuchtigkeit nicht zu hoch ansteigt.

Klettermöglichkeiten:
Wie oben schon beschrieben könnten Thamnophis klettern, tun dies auch, sind aber nicht sehr geschickt darin. Klettermöglichkeiten sollten also so gebaut werden, das die Tiere nicht zu tief abstürzen können.

Versteckmöglichkeiten

Als Verstecke kann einiges genutzt werden. Der Handel bietet da auch einige witzige und nette Möglichkeiten. Aber bei mir haben sich Rindenstücke, die relativ flach auf dem Boden liegen und Keramikblumentöpfe bewehrt. Schlangen mögen in ihren Verstecken eine gewisse Enge, weswegen sich Rinde dafür gut eignet.
Blumentöpfe zerteile ich mit dem Hammer und feile die Kanten ab, damit sie sich an diesen nicht verletzen können. Gerade wenn diese Keramik unter der Wärmelampe liegt wird dieser warme Rückzugsort gerne angenommen.

Hier möchte ich darauf aufmerksam machen, das einige Blumentöpfe, gerade die aus Plastik, Löcher im Boden haben. Diese sollten entweder so groß gemacht werden, das das Tier da problemlos, auch mit vollem Bauch, durch passt, oder ganz entfernt werden.
Wir haben vor ein paar Jahren ein Tier übernommen, das sich in einem solchen Blumentopf selbst verfangen hat und sich üble Verletzungen dadurch zugezogen hat. Die Narben sieht man heute noch.

Erde, Äste und Rinden
Praktisch eingerichtet
Meine Tochter hilft bei der Einrichtung

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Pflanzen

Hier scheiden sich wieder die Geister. Echte Pflanzen sind gut fürs Klima und die Luftfeuchtigkeit. Aber gerade Adulte Weibchen werden die meisten Pflanzen mit ihrer Masse einfach plattwalzen.
Kunstpflanzen sind auch Grün und lassen das Terrarium hübsch wirken, und sind besser zu reinigen.

Da die Tiere und Futtertiere die Pflanzen nicht fressen, muss nicht darauf geachtet werden, ob die Pflanzen giftig sind.
Bei mir hat sich Efeu, Benjanini, diverse Bodendecker und Yukapalme bewehrt. Das sind zwar nicht unbedingt Pflanzen aus dem natürlichen Habitat der Tiere, aber gerade letzte überlebt auch die Masse der Weibchen.
Teilweise sähe ich Gräser in meinen Terrarien aus, aber diese überleben das Klima nicht so gut, wenn man diese nicht wirklich täglich besprüht.
Im Grunde ist es also die Frage, was man möchte.

Thamnophis sirtalis sirtalis im bepflanzten Terrarium


Bodengrund 

Genau so wie bei der Bepflanzung ist der Bodengrund etwas, wo sich die Geister scheiden. Einige schwören auf Einstreu, andere auf Erde.
Da ich persönlich nur Erde nutze, kann ich nur von dieser berichten.
Ich nutze torffreie Blumenerde und impfe diese mit Springschwänzen und weißen Asseln als Bodenpolizei an.
Erde hat den Nachteil, das man sich schnell mal Trauermücken einfängt. Diese sind jedoch weder für Mensch oder Tier schädlich, aber unglaublich nervig.

 

Temperatur und Luftfeuchtigkeit

Im Terrarium sollte ein Temperaturgefälle herrschen. Unter dem Sonnenplatz sollte die Temperatur 30-32 Grad betragen und die kühlste Stelle des Terrariums darf bis 20 Grad fallen.
In der Nacht darf  die Temperatur auf 17-22 Grad fallen.

Hier sei noch gesagt, das gerade Jungtiere schneller an Hitzschlag sterben oder austrocknen als das sie erfrieren. Zu warm ist also genau so schlecht, wie zu kalt.

Die Luftfeuchtigkeit sollte bei 50-60 % liegen.

 

Futter und Fütterung

Thamnophis haben ein recht breites Futterspektrum. In der Natur fressen sie Würmer, Egel, Amphibien, Fisch und Nager.
Es hält sich immer noch hartnäckig das Gerücht, das Thamnophis ausschließlich mit Fisch ernährt werden können. Das ist, ohne die passenden Zusätze jedoch nicht so leicht realisierbar.
Ich empfehle eine Mischung aus Nagern – möglichst fellfrei, da das Fell nicht verdaut wird und thiaminesefreiem Süßwasserfisch.

Ab und an wird auch gerne etwas Hühnerherz oder ein Regenwurm gefressen (Regenwurm, nicht Kompostwurm. Kompostwürmer sind giftig.)

Jungtierfütterung mit kleingeschnittenem Futter

 

     

 

 

 

 

 

 

 

Die adulten Tiere werden alle 7-10 Tage gefüttert Jungtiere in den ersten Monaten alle 3-5 Tage, je nach Fressverhalten und Menge. Danach alle 5-7 Tage.

Eine Besonderheit unserer Nattern ist, das die Jungtiere noch zu klein sind, um ganze Futtertiere zu verspeisen, wenn man mal von Regenwürmern absieht. Ja, auch eine Babymaus ist zu groß und wird nicht passen.

Das bedeutet, das man gerade im ersten Jahr bereit sein sollte, den Jungtieren ihr Futter klein zu schneiden.

Ich habe hier ein Exemplar von adultem Thamnophis sirtalis sirtalis Männchen, das selbst jetzt noch seine Maus halbiert haben möchte oder diese sonst nicht frisst.

 

Winterruhe

Unsere Nattern brauchen eine Winterruhe.  In dieser Ausgabe der TGS beschreibt Martin Halmen diese genauer, so das ich an diesem Punkt da nicht weiter drauf eingehe.

Auch fürs Überwintern gibt es mehrere Ansätze. Grob gesagt sei: Ca 3-4 Monate bei 10-6 Grad dunkel und trocken mit der Möglichkeit zur Flüssigkeitsaufnahme.

 

Welche Thamnophis ist für mich geeignet und gibt es Anfängerfreundliche Arten?

Zur zweiten Frage erst mal ein Nein. Man kann hier nicht unter den Arten pauschalisieren, das diese oder jene Art netter oder unnetter ist. Von den Haltungsbedienungen sind alle Arten etwa gleich. Die einen mögen es etwas feuchter und die anderen die Winterruhe etwas kälter oder länger. Aber das Grundprinzip passt auf jede Art.
Jeder Halter wird so seine Erfahrungen, mit seinen Tieren gemacht haben, denn: Es sind Charaktertiere. Ich habe hauptsächlich Thamnophis sirtalis sirtalis und unter diesen habe ich absolut neugierige Tiere, bei denen ich nicht ins Terrarium fassen kann, ohne das sie mir zwischen den Fingern rumwuseln und auch Tiere, die wissen das sie Zähne haben und keine Scheu haben, zu zu hacken, wenn ich ihnen zu nahe komme.

Meine Thamnophis sirtalis tetrataenia sind jedoch, meiner Erfahrung nach, etwas scheuer als die T.s.s.
Hier hilft nur der Austausch mit Züchtern und Haltern und die Beschreibung der Tiere um sich eventuell ein Bild zu machen.

 

Gruppen- oder Einzelhaltung

Das ist eine Frage, wo man, je nach dem wen man fragt, verschiedene Antworten bekommen wird. Es gibt Halter, die schwören auf Einzelhaltung. Andere, wie ich auf Gruppenhaltung. Ich halte keines meiner Tiere alleine, weil die Tiere, meiner Erfahrung nach weniger scheu und schreckhaft in der Gruppe sind. Sie sind es eher gewohnt von einem anderen Lebewesen berührt zu werden.
Davon ab gibt es anfängliche Studien, das Thamnophis zu den Reptilien zählen, die „Freundschaften“ schließen. Wobei man diesen Begriff nicht vermenschlichen sollte.
Aber auch hier kommt es wieder auf das Individuum selbst an. Es gibt genau so Tiere, die Einzelhaltung bevorzugen.

Es ist möglich, verschiedene Arten und Unterarten zusammen zu halten. Jedoch sollte hier, wie auch generell darauf geachtet werden, das die Gruppen immer Gleichgeschlechtlich sind. Bei gemischten Gruppen sogar penibler um eine Hybridisierung zu vermeiden.

Thamnophis sind Lebendgebährend. Sind die Babys da, ist es zu spät. Das sollte immer bedacht werden.

Quarantäne und Neuzugänge

Es ist so weit. Man hat sich bis hier hin durch gekämpft und hat entschieden, das trotz den kleinen Besonderheiten eine Thamnophis einziehen soll. Wie geht es jetzt weiter?

Zuerst findet man den Züchter des Vertrauens wo man sein Tier her bekommt. In der Regel wird man kaum adulte Tiere zur Abgabe finden, sondern nur Jungtiere.
Hat man diesen Gefunden wird vor dem Einzug des Tieres das Terrarium vorbereitet. Wie oben schon erwähnt sollte für ein, zwei Jungtiere ein 30iger oder 40iger Würfel erst einmal vorbereitet werden.
Die Tendenz geht dazu, das kleine Becken direkt hübsch einzurichten. Mit Erde, und Pflanzen und ganz vielen Verstecken. Das habe ich zu meiner Anfangszeit auch getan, jedoch rate ich mittlerweile davon ab.
Schlangen sind stressanfällig und Transport ist immer Stress. Unter Stress können sich schnell gerade Darmparasiten, einnisten und dann hat man sich ein hübsch eingerichtetes Terrarium versaut und kann im schlimmsten Fall alles an Einrichtung weg werfen.

Heißt das ihr die ersten 4-6 Wochen euch und dem Tier einen Gefallen tut und das Terrarium mit Zewa oder Zeitungspapier auslegt und Verstecke und Klettermöglichkeiten wählt, die man im Zweifel einfach Wegwerfen könnt.
Bewährt haben sich da leere Magarinedosen, Eierkartons und Klopapierrollen.
Bevor der Neuzugang in ein richtig, eingerichtetes Terrarium kommt, wird eine Kotprobe eingereicht und untersucht. Egal wie gut der Züchter ist, egal, wie gewissenhaft und wie sehr ihr diesem vertraut. Es kann IMMER was sein und das muss nicht mal die Schuld des Züchters sein. Wie oben erwähnt, kann schon der Transport ein Auslöser sein.

Die Quarantäne hat auch den Vorteil, das ihr das Tier besser beobachten könnt. Frisst es  vernünftig, häutet es sich gescheit? Sind die Bewegungen in Ordnung.

Quarantäne sollte am besten, gerade wenn man mehr Tiere als nur die Neuzugänge hat, in einem anderem Raum erfolgen.

 

Pflege
Schlangen sind keine Kuscheltiere. Es mag Individuen geben, die von selbst kommen, um sich anfassen lassen, aber das muss nicht gegeben sein. Die Haltung einer Thamnophis besteht hauptsächlich aus beobachten und beobachtet werden. Das sollte einem klar sein.
Das Terrarium ist der Lebensraum des Tieres, genau so wie bei Fischen das Aquarium. Da kommt ja auch keiner auf die Idee, die Fische zum kuscheln raus zu holen.
Die Fütterung erfolgt, wie oben beschrieben ca jede Woche. Das Wasser sollte täglich gewechselt werden und wenn man nicht gerade ein funktionierendes System mit Bodenpolizei hat, wird der Kot abgesammelt, so bald man ihn sieht.

 

So winzig sind Thamnophis nach der Geburt:

Text und Fotos:  Jennifer Rejchel